Das Jahr 1923 ist für Waldshut zum Geburtsjahr einer neuen Sportart geworden, die es in Waldshut trotz ihrer Lage am schönen Rhein bisher nicht gegeben hat. Der Rhein war damals ein reißender Strom, der noch nicht gestaut war. Es galt als tollkühn und gefährlich, sich in einem Ruderboot darauf zu wagen. Nur die Berufsfischer haben im Weidling den Strom befahren. Kurz nach der Jahrhundertwende wagten sich die ersten Pioniere aus Abenteuerlust und sportlichem Ehrgeiz auf den strömenden Rhein, es waren einige wenige junge Burschen in primitiven, selbst gebastelten Holzpaddelbooten. „Die hän en Sparre“ war damals die Ansicht vieler Waldshuter.  

Erst Anfang der Zwanziger Jahre war es dann soweit, daß sich einige Wassersportler mit dem Gedanken trugen, einen Verein zu gründen, um dem Wassersport auf dem schönen, jungen strömenden Rhein eine Heimstätte zu geben.

Einfach war es nicht, und es erforderte viel Einsatzbereitschaft, Idealismus und Begeisterung, in einer wirtschaftlichen Notzeit mit stetig steigender Inflation diesen Gedanken zu verwirklichen.

   

Am 31. Januar 1923 fand im „Waldschloß“ die eigentliche Gründungsversammlung statt bei der 11 Herren anwesend waren. Es waren bekannte Waldshuter Namen darunter, wie Malermeister August Kempf, Stadtbaumeister Gustav Köpfler, Kaufmann Oskar Ruch, Bandagist Fritz Sänger, Bauunternehmer Theodor Wagner und Ingenieur Ludwig Weinkötz.

In der darauf folgenden Generalversammlung im April wurde Baurat Gerhard Benstz, der Chef des Wasser- und Straßenbauamtes zum 1. Vorsitzenden gewählt, zu seinem Stellvertreter August Kempf, der gleichzeitig als Leiter der „Zöglingsabteilung“ fungierte, Schriftführer wurde Albert Lott und Kassier Wilhelm Hauser.

 
Die Erbauer des Bootshauses des Wassersport Verein Waldshut
Ganz bewusst nannte sich der gegründete Verein nicht „Ruderclub“, sondern „Wassersportverein“, denn es sollten alle damals bekannten Wassersportarten betrieben werden. Es gab neben dem Ruderwart für Ruderboote (Oskar Ruch) einen Ruderwart für Weidlinge (Schlossermeister Hilpert) und einen Schwimmwart (Seifensieder Karl Wegeler). Das Erlernen des Schwimmens, das in Waldshut damals nur im freien Rhein möglich war, galt natürlich als Voraussetzung zum Betreiben des Rudersports. Um das Rudern zu erlernen, fuhren die Waldshuter mit dem Zug zum damaligen Wassersportverein Warmbach, dem heutigen Ruderclub Rheinfelden, der bereits 1921 gegründet wurde.  
Zweites Bootshaus mit Stadtschloss

Der Gedanke in Waldshut den Wassersport zu etablieren, fand in der Bevölkerung großen Widerhall. Im April 1923 hatte der neue Verein bereits 176 aktive und fördernde Mitglieder aus allen Bevölkerungsschichten. Mit 2 Weidlingen und 2 Rollsitzruderbooten sollte der Anfang gemacht werden. Dazu kamen noch private Holzpaddelboote. Um diese Boote unterzubringen, wurde eine Eingabe an den Gemeinderat gerichtet mit der Bitte um Überlassung des kaum noch benutzten alten Zellenbades oberhalb der Fähre.

Diese Bitte wurde abgelehnt, es musste also ein neues Bootshaus errichtet werden. Der Vereinskassier Hauser schlug als Standort den „Waschplatz“ unterhalb der Rebstockterrasse (heute Rosengarten) vor. Humorvoll wurde ihm im alten Protokollbuch folgender Eintrag gewidmet:

MMM
Anteilschein

Wilhelm!

Wo wollen Waldshuter Weiber Wäsche waschen,

wenn WVW den Waschplatz wegnehmen will ?
„Herr Kempf konnte gleich einige, bereits von einem Holzhändler gestifteten Kubikmeter Holz in Aussicht stellen, und hofft man, wenn auch erst nach Überwindung großer Schwierigkeiten, durch Anstrengung aller Kräfte zu einem eigenen Vereinsbootshaus zu kommen“ heißt es weiter. In einer wohlgeplanten, beispielhaften Gemeinschaftsarbeit der begeisterten Sportler wurde der Bau durchgeführt. Planung und Bauleitung hatte der Stadtbaumeister Köpfler inne.

   

 

„Die Stadt stellt den Platz sowie das Holz für das Gebälk zur Verfügung. Wegmann schlägt während seinem Urlaub das Holz im Walde, Buri stellt das Fuhrwerk zur Verfügung und fährt das Holz in den Rebstockgarten, welcher von Joh. Ebner uns zur Verfügung gestellt wird. Das Kies, das zum Betonieren benötigt wird, soll aus dem Rhein geholt werden und mit drei Weidlingen an den Bauplatz herübergefahren werden“. So hatte jeder der Erbauer seine Aufgabe. Unterstützung erhielten sie noch durch Sach- und Geldspenden verschiedener Handwerksbetriebe von Waldshut und Umgebung, sowie von privaten Gönnern. Der erste Gig-Vierer des Vereins wurde von der Bootswerft Bossard in Karlsruhe erworben und kostete 5 Millionen Mark.

 

 

Dr. Fritz Beuttel

     

 

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